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[…] Im Mühlemattsaal in Trimbach geht es zu wie in einem Bienenhaus. Die 23 Musicaldarsteller des Vereins «Musical For You» stehen zwei Wochen vor der Premiere. Gerade üben sie mit der Choreografin Christa Rytz die Schrittabfolgen ein. Später werden die musikalischen Finessen mit dem Bandleader Roman Wyss einstudiert. Es ist nicht das erste Musical des Vereins, sind sie trotzdem nervös? «Ja und wie», so der Präsident von «Musical For You» und fügt an: «Das ist aber auch richtig so und gehört dazu!» […]
[…] Die verbindenden Geschichten in der «Praxis Doktor Schön» drehen sich um den alltäglichen Wahnsinn an einem Montagmorgen. Das Personal im Vor- und Wartezimmer ergibt Stoff für viele herrliche, dankbare Rollen. Die Akteure auf der Bühne leben die parodierten Klischees denn auch mit der gehörigen Portion Ironie und viel Spielfreude aus.

Der Musical-Tag erwacht zu Cat Stevens’ poetischem «Morning has broken». Die eine Assistentin lädt ihren Frust ab mit «I don’t like Monday», einem Song, mit dem die «Boomtown Rats» 1979 einen Nummer-1-Hit landeten, während die andere Praxishilfe in ihrem Liebeskummer zwischen «Guten Morgen, Sonnenschein» und «It’s a Heartache» (Bonnie Tyler) schwankt. Insgesamt intonierte das Ensemble von Musical for you an der Uraufführung über zwanzig Songs von unterschiedlichen Stilrichtungen jener Zeit – eine grossartige Leistung für diese Truppe von Amateuren. Allenfalls wäre das Nostalgielied «Ich hab’ ins Paradies gesehn» von Paola zu erwähnen, das die «Patientin» Regula Anderes sehr überzeugend vortrug.

Die Stärke von Musical for you liegt eindeutig im Teamwork. Das Ensemble sang die mehrstimmigen Chorstücke rhythmisch perfekt und harmonisch. Man erlebte die Show einer mitreissenden Bühnentruppe, die alle Register zog, um das Publikum zu unterhalten. Gleichzeitig zum Gesang zeigte sie Gruppen- und Einzeltanz (Choreographie: Christa Rytz und Fabienne Bucher), baute Auftritte mit Masken und Szenen mit parodistischen Requisiten ein.

Geradezu Broadway-würdig war das urkomische Bild bei der Schnulze «Aber dich gibt’s nur einmal für mich» von den Flippers. Bei diesem Duett schunkelte das ganze Wartezimmer im Takt, während die Praxishilfen unter den Türrahmen den Verliebten beim Singen mithalfen. Und bei der herrlich coolen Parodie des «Grease»-Verschnitts «Die Wanne ist voll» applaudierte das Publikum gar auf offener Szene. Zum Schluss gibts selbstverständlich ein Happy End und Doktor Schön proklamiert seine ärztliche Verordnung an alle: Geniesst das Leben!

Das Publikum im ausverkauften Mühlemattsaal erklatschte eine Zugabe und erlebte beim Grande Finale zum ABBA-Medley einen überraschenden Auftritt, der hier jedoch nicht verraten wird.